Die Saccomazzonespieler
Giovanni Francesco Susini (1585–1653)
nach
Orazio Mochi (1571–1625)
2. Viertel 17. Jh.

Giovanni Francesco Susini, bekannt als Gianfrancesco, war einer der herausragendsten Hersteller von Bronzestatuetten des gesamten 17. Jahrhunderts. Die überwiegende Mehrheit seiner Statuetten und Gruppen können in drei Kategorien eingeteilt werden: entweder es handelt sich um eigene Entwürfe, Miniaturen antiker Vorbilder oder Versionen von Arbeiten Giambolognas, des größten Bildhauers der Jahrhundertmitte zwischen dem Tod Michelangelos und dem Aufstieg Gian Lorenzo Berninis.
Aus diesem Grund stellt die vorliegende Arbeit gewissermaßen eine Ausnahme dar. Sie basiert auf einer Steingruppe in den Boboli-Gärten in Florenz, die aus dem zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zu stammen scheint. Sie wurde von Orazio Mochi begonnen und von Romolo Ferrucci del Tadda vollendet, keiner der beiden Namen ist heute wirklich geläufig. Und doch ist das Interesse an der Herstellung einer kleinformatigen Version in Bronze nachzuvollziehen. „Saccomazzone“ – wortwörtlich „Sackbündel“ – ist ein Spiel für zwei Spieler. Deren linke Hände sind auf einem Stein platziert und mit verbundenen Augen versucht nun einer von beiden, den Gegner zu schlagen, der ausweichen muss, während beide Vogelgeräusche machen, um einander zu verwirren. Es gibt weitere Bronzen, die ebenfalls auf Mochis Originalmodell beruhen. Die vorliegende Gruppe ist insofern einzigartig, als sie die Handlung auf einen kleinen, aus einem Stück gegossenen Sockel verlagert, der das Gefühl der aus dem Gleichgewicht geratenen Protagonisten noch weiter verstärkt.
- Material/Technik
- Bronze mit goldbrauner Patina
- Masse
- 32 × 45 × 32 cm
- Erwerb
- vermutlich erworben vor 1658 durch Fürst Karl Eusebius I. von Liechtenstein
- Derzeit ausgestellt
- Gartenpalais, Permanente Präsentation
- Künstler/Beteiligte
- Giovanni Francesco Susini
- nach Orazio Mochi
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