CHRISTIAN SEYBOLD
SELBSTPORTRÄT
Christian Seybold wurde in Neuenhain geboren und kam 1715 nach Wien, wo er einige Jahre später als Kammermaler am Hof der Kaiserin Maria Theresia arbeitete. Über sein Leben und seinen künstlerischen Werdegang ist darüber hinaus bedauerlicherweise wenig bekannt und auch hinsichtlich seines tatsächlichen Geburtsjahres differieren die Meinungen der Experten. Vermutlich bildete er sich als Autodidakt zum Maler aus. Stilistisch orientierte sich Seybold an seinem älteren Malerkollegen Balthasar Denner (1685–1749), der bereits zu Lebzeiten an deutschen Höfen vor allem als Porträtmaler ausserordentlich geschätzt war. Die erstaunliche Genauigkeit im Detail, die nichts verschleiert, sondern jede Falte sowie jedes einzelne Haar sichtbar macht, verbindet die Werke beider Künstler miteinander. Auch der böhmische Porträtmaler Johann Kupezky (1667–1740) hatte Einfluss auf seine Arbeiten.

Mit unbestechlicher Wahrheitsliebe stellte Christian Seybold auch in seinem Selbstporträt der Fürstlichen Sammlungen – auf Kupfertafel gemalt – alle Einzelheiten des eigenen Gesichtes, sämtliche Poren, Grübchen und Runzeln dar und folgte damit dem „Naturalismus“ Balthasar Denners. Die linke Schulter des Dargestellten wird in diesem Gemälde vor-, die rechte zurückgenommen, der Kopf nach links gewandt. Die Kleidung mit offenem Kragen erscheint leger, das nach hinten geschobene Barett gibt die vom Alter zerfurchte Stirn frei und der hinter das Ohr geklemmte Pinsel macht dem Betrachter den Berufsstand des Dargestellten bewusst. Ganz anders das Bild von Seybolds Tochter, das an idealisierte Darstellungen des französischen Rokoko erinnert und in seiner Haltung, Physiognomie und Makellosigkeit einem Knabenbildnis sowie dem Gemälde Mädchen in blauem Kleid, 1749 für die kaiserliche Gemäldegalerie vom Künstler direkt erworben und heute im Belvedere verwahrt, sehr nahe kommt.

Seybold schuf über einen Zeitraum von mehreren Jahren zahlreiche Selbstporträts, die ihn sowohl als jugendlichen Mann als auch als würdevoll gealterten Künstler wiedergeben. Ein dem aus Besitz der Fürstlichen Sammlungen stammenden Gemälde stark ähnelndes Porträt gleichen Alters und etwa identen Formats in Budapest (Szépmüveszéti Museum) zeigt den Maler ebenso mit dem Pinsel hinter dem Ohr, dort jedoch ist er in Frontalansicht wiedergegeben, mit pelzbesetzter Mütze und in einen Mantel gekleidet und mit dem Blick frontal auf den Betrachter gerichtet.
Für das Selbstbildnis sowie das Bildnis seiner Tochter erhielt der Künstler von Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein eine goldene Kette mit Medaille. Ehemals war ein grosses Selbstporträt mit dieser goldenen Medaille in der Galerie vorhanden, im Sammlungskatalog aus dem Jahr 1873 wird dieses Gemälde jedoch nicht mehr angeführt.
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Christian Seybold
Selbstporträt, 1761
Öl auf Kupfer
Höhe 40,2 cm, Breite 31,3 cm
Über der linken Schulter bez.: C Seibolt.pinxit / alt 58: Ano 1761 / geb: zu Mayntz.
Inv.-Nr. GE130
Provenienz: 1767 durch Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein direkt vom Künstler erworben
Weitere Exponate des Künstlers
Porträt der Tochter des Künstlers, 1761
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