PETER PAUL RUBENS
DECIUS MUS BEFRAGT DIE HARUSPIZIEN
Livius berichtet, dass kurz vor Beginn der Schlacht die Götter befragt wurden, welchen der beiden Konsuln das Los treffen sollte, sich für den Sieg der Römer zu opfern. Aus den Eingeweiden zweier Stiere wollte man das Schicksal ersehen. In der Leber jenes Stieres, den Decius Mus geopfert hatte, wirkte ein Stück, das als Haupt gedeutet wurde, wie abgeschlagen. Decius Mus erkennt, dass das den Tod für ihn bedeutet und dieser Moment der Erkenntnis ist das Thema des zweiten Bildes der Serie. Erschrocken weicht er vor der Nachricht zurück und zieht seine Hände schützend vor der Brust zusammen. Seine Betroffenheit zeigt sich auch in seiner unsicheren, labilen Beinstellung. Doch der greise Oberpriester bestätigt den Urteilsspruch mit einem Zeigegestus auf die Stierleber und bringt durch seine vorgebeugte Haltung und den intensiven Blickkontakt mit dem Konsul klar zum Ausdruck, wen das Los getroffen hat.

Rund um diese beiden Hauptfiguren ist eine prunkvolle Opferzeremonie inszeniert, die sich vor dem Feldherrnzelt abspielt. Dort ist ein Altar aufgestellt, zu welchem gerade der Stier des Titus Manlius zur Schlachtung herbeigeführt wird. Ein Aulos-Bläser und Opferministranten begleiten die heilige Handlung. Im Vordergrund liegt der Stier des Decius Mus gefällt am Boden, daneben eine goldene Schale, gefüllt mit dem Blut des Opfertieres. Betreten stehen die Gefolgsleute des Feldherrn daneben und beobachten ungläubig das Geschehen.

Überbringer, Adressat und Inhalt der Nachricht sind durch die Farbe Rot, die auch die stärkste Farbe im Bild ist, als zusammengehörig gekennzeichnet: die Mäntel von Priester und Konsul sowie das Opferblut. Offensichtlich setzte sich Rubens bei der Verbildlichung von Livius’ Text mit Raffaels thematisch verwandter Darstellung "Das Stieropfer zu Lystra" auseinander. Rubens hatte 1604 in Genua die Gelegenheit, die berühmte Kartonfolge zu den Wandteppichen der Sixtinischen Kapelle zu studieren und zu kopieren. Raffael verarbeitete hier antike Darstellungen einer Opferszene, unter anderem auch ein Relief der Trajanssäule in Rom.
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Peter Paul Rubens
Decius Mus befragt die Haruspizien, 1616/1617
Öl auf Leinwand
Höhe 294 cm, Breite 412 cm
Inv.-Nr. GE48
Provenienz: 1616 Vertrag zwischen Peter Paul Rubens und den Teppichfabrikanten Jan Raes und Frans Sweerts in Brüssel und dem Händler Franco Cattaneo aus Genua; 1661 befindet sich der Zyklus im Besitz der Maler und Sammler Carel de Witte, Gonzales Conques und Jan Baptist van Eyck in Antwerpen ("Decius Mus befragt die Haruspizien" und wahrscheinlich die "Waffentrophäe" kamen erst nach 1661 in die Gütergemeinschaft Conques – de Witte – van Eyck, beide tragen wahrscheinlich das kaiserliche Siegel), 1692 im Nachlassinventar van Eycks in Antwerpen ("Decius Mus sendet die Liktoren aus" lässt sich im Nachlassinventar nicht sicher nachweisen); 1693 erworben durch Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein vom Händler Marcus Forchoudt in Antwerpen, Ausstellung in einem Saal des Majoratspalais Liechtenstein in der Bankgasse in Wien, 1807 bis 1945 am heutigen Standort
Weitere Exponate des Künstlers
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Decius Mus deutet seinen Offizieren den Traum, 1616/1617
Decius Mus weiht sich dem Tode, 1616/1617
Decius Mus sendet die Liktoren aus, 1616/1617
Der Tod des Decius Mus in der Schlacht, 1616/1617
Die Totenfeier für Decius Mus, 1616/1617
Waffentrophäe, 1616/1617
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Venus vor dem Spiegel, 1614/1615
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Porträt der Clara Serena Rubens, um 1616
Heinrich IV. ergreift die Gelegenheit Frieden zu schliessen, 1628
Der Sieg Heinrichs IV. bei Coutras, 1628
Decius Mus weiht sich dem Tod, 1616/1617
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Drei musizierende Engel, auf der Rückseite der Hl. Joachim, 1615/1620
Die Heilige Katharina in den Wolken, 1620/1621
Vier musizierende Engel, auf der Rückseite die Hl. Anna, 1615/1620
Apollo im Sonnenwagen, 1621/1625
Die Bekehrung des Saulus zum Paulus, 1601/1602
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Allegorie auf den Krieg, 1628
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Victoria und Virtus, um 1616/1617
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Anbetung der Weisen, 1609/1610
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