PETER PAUL RUBENS
DECIUS MUS DEUTET SEINEN OFFIZIEREN DEN TRAUM
Der Heldentod des römischen Konsuls Decius Mus ist ein in der Antikenüberlieferung mehrfach zitiertes "exemplum virtutis", also ein Beispiel für besonders tugendhaftes Handeln. Doch Rubens war der erste Künstler, der den Bericht des Livius vom Krieg der Römer gegen die Latiner aus dem Jahre 340 vor Christi Geburt (Ab urbe condita, Buch VIII, Kapitel 6, 9 und 10) in das Medium der Malerei übersetzte.

Die Bewohner der Ebene von Latium hatten sich gegen die römische Vorherrschaft erhoben und forderten die Römer mit einem an Stärke überlegenen Heer zur Schlacht heraus. Im Lager bei Capua hatten die römischen Oberbefehlshaber, die Konsuln Decius Mus und Titus Manlius denselben Traum: Jenes Heer würde siegen, dessen Feldherr in der Schlacht fällt.

Rubens reduziert seine Erzählung auf den Helden seiner Gemäldefolge: Im ersten Bild tritt Decius allein vor sein Heer, um von seinem Traum zu berichten. Titus Manlius bleibt bis auf das letzte Gemälde unbeachtet. Der Künstler zeigt Decius Mus auf einem Podest stehend in gebieterischer Haltung, vor ihm haben sich Standartenträger verschiedener Einheiten in entsprechend unterschiedlicher Kampfkleidung versammelt.

Eine Ölskizze zu diesem Gemälde in der National Gallery, Washington, zeigt, dass Rubens überlegt hatte, die profane Historie mit Anspielungen auf die antike Götterwelt zu bereichern, indem er über dem Haupt des Konsuls den Adler des Jupiter wie einen göttlichen Beschützer schweben liess. Doch in der Ausführung verzichtete er auf die mythologische Überhöhung. Im Typus der Darstellung folgte Rubens einer vor allem in der Antike gebräuchlichen Bildformel, der Adlocutio, des zu seinen Legaten und Tribunen in erhöhter Position sprechenden Feldherrn. Solche Darstellungen finden sich auf den Triumphmonumenten Roms, dem Konstantinsbogen und der Trajanssäule. Letztere diente mit einer ihrer Reliefszenen Rubens auch als direktes Vorbild. Er befürwortete das kreative Verarbeiten einer antiken Bilderfindung, betonte aber in seiner Schrift "De Imitatione Statuarum" auch die Notwendigkeit des einfühlsamen Verständnisses für die Vorlage. Ausserdem sei es ratsam, "dass man einen einsichtigen Gebrauch von ihnen macht, der in keiner Weise den Stein merken lässt". Bei Rubens’ Übersetzung der Reliefszene in das Medium der Malerei bleibt zwar der friesartige Charakter erhalten, doch ist die symmetrische Anordnung der Figuren im antiken Vorbild nun einer lebendigen Variation mit vielfältigen Bewegungsmotiven gewichen. Auch der offene malerische Duktus bewirkt eine zusätzliche Dynamisierung.
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Peter Paul Rubens
Decius Mus deutet seinen Offizieren den Traum, 1616/1617
Öl auf Leinwand
Höhe 294 cm, Breite 278 cm
Inv.-Nr. GE47
Provenienz: 1616 Vertrag zwischen Peter Paul Rubens und den Teppichfabrikanten Jan Raes und Frans Sweerts in Brüssel und dem Händler Franco Cattaneo aus Genua; 1661 befindet sich der Zyklus im Besitz der Maler und Sammler Carel de Witte, Gonzales Conques und Jan Baptist van Eyck in Antwerpen ("Decius Mus befragt die Haruspizien" und wahrscheinlich die "Waffentrophäe" kamen erst nach 1661 in die Gütergemeinschaft Conques – de Witte – van Eyck, beide tragen wahrscheinlich das kaiserliche Siegel), 1692 im Nachlassinventar van Eycks in Antwerpen ("Decius Mus sendet die Liktoren" aus lässt sich im Nachlassinventar nicht sicher nachweisen); 1693 erworben durch Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein vom Händler Marcus Forchoudt in Antwerpen, Ausstellung in einem Saal des Majoratspalais Liechtenstein in der Bankgasse in Wien, 1807 bis 1945 am heutigen Standort
Weitere Exponate des Künstlers
Porträt des Jan Vermoelen (1589-1656), 1616
Porträt des Albert (1614-1657) und Nikolaus (1618-1655) Rubens, um 1626/1627
Decius Mus befragt die Haruspizien, 1616/1617
Decius Mus weiht sich dem Tode, 1616/1617
Decius Mus sendet die Liktoren aus, 1616/1617
Der Tod des Decius Mus in der Schlacht, 1616/1617
Die Totenfeier für Decius Mus, 1616/1617
Waffentrophäe, 1616/1617
Die Himmelfahrt Mariens, um 1637
Die Beweinung Christi, um 1612
Die Auffindung des Erichthoniusknaben, um 1616
Kopfstudie eines bärtigen Mannes, 1612
Mars und Rhea Silvia, Ölskizze, um 1616/1617
Venus vor dem Spiegel, 1614/1615
Mars und Rhea Silvia, um 1616/1617
Christus als Sieger über Tod und Sünde, 1615/1622
Satyr und Mädchen mit Früchtekorb, 1615
Porträt der Clara Serena Rubens, um 1616
Heinrich IV. ergreift die Gelegenheit Frieden zu schliessen, 1628
Der Sieg Heinrichs IV. bei Coutras, 1628
Decius Mus weiht sich dem Tod, 1616/1617
Die Totenfeier für Decius Mus
Drei musizierende Engel, auf der Rückseite der Hl. Joachim, 1615/1620
Die Heilige Katharina in den Wolken, 1620/1621
Vier musizierende Engel, auf der Rückseite die Hl. Anna, 1615/1620
Apollo im Sonnenwagen, 1621/1625
Die Bekehrung des Saulus zum Paulus, 1601/1602
Perseus und Andromeda
Die Heilige Anna schmückt Maria mit Blumen, 1609/1610
Die Aufnahme der Psyche in den Olymp, 1621
Der Teich am Wald, 1616
Allegorie auf den Krieg, 1628
Die Jagd des Meleager und der Atalante, 1628 (?)
Die Himmelfahrt Mariae, Modello, 1637
Ganymed, 1611/1612
Die Jagd der Diana, 1628
Der Heilige Franziskus vor dem Gekreuzigten, 1625
Victoria und Virtus, um 1616/1617
Porträt eines Mönches (?)
Anbetung der Weisen, 1609/1610
Die Heimsuchung, 1611/1612
Porträt des Nicolaas Rockox, 1615
Samson und Delilah, um 1610
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