FRIEDRICH VON AMERLING
SELBSTBILDNIS
Die Fürstlichen Sammlungen umfassen einen aussergewöhnlichen Bestand an Malerei der Biedermeierzeit, der alleine etwa 20 Gemälde Friedrich von Amerlings mit einschliesst, darunter auch ein weiteres Selbstbildnis des Künstlers aus dem Jahr 1844. Viele dieser Objekte gehen vor allem auf Ankäufe von Fürst Alois II. von Liechtenstein (1796/1836-1858) zurück, der eine intensive Beziehung zu Amerling pflegte und einige Werke auch direkt beim Künstler beauftragt hat. Während der Regentschaft von Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein konnte dieser Sammlungsteil noch weiter ausgebaut werden: Gemälde, wie In Träumen versunken (um 1835) oder das Porträt des Ignaz Franz Castelli sowie zwei weitere Bilder kamen in den letzten Jahren hinzu. Amerlings Selbstbildnis aus den Jahren 1880-1881 wurde von Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein 2007 erworben und kann den bisherigen Bestand schlüssig ergänzen.
Von den etwa 27 Selbstporträts des Künstlers, die erhalten bzw. dokumentiert sind, befindet sich mehr als die Hälfte in öffentlichen Sammlungen darüber hinaus existieren weiters sieben Repliken. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen (Spiegel-)Bild, die sich über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren erstreckt, hat in der Geschichte der Kunst nur wenige Parallelen. Das vorliegende Selbstbildnis gehört zu den letzten Selbstporträts des Künstlers nur wenige Jahre vor seinem Tod entstanden, ähnelt es in den Zügen stark der Totenmaske aus Gips, die sich im Historischen Museum der Stadt Wien befindet und ist beinahe ident mit einer zweiten Fassung, die sich in einer Privatsammlung befindet.
In der langen Reihe von Selbstdarstellungen besticht dieses Gemälde vor allem durch seine unglaubliche Vitalität und Ausdruckskraft: Lebendiger hätte der Künstler seine Haare und die Barttracht kaum malen können, durch die starke, von links oben kommende Lichtquelle noch betont. Der Maler hat sich selbst im Dreiviertelporträt festgehalten, den Blick aus dem Bild in unbestimmte Ferne gerichtet. Erst bei genauerem Hinsehen ist im Hintergrund ein floraler Wanddekor und in seiner Rechten ein Pinsel zu erkennen, der die Profession des Künstlers verdeutlicht. Ursprünglich vom Künstler selbst übermalt, ist es heute wieder deutlicher zu erkennen und zeugt davon, wie sehr Künstler ihre eigenen Ideen oft korrigieren oder verwerfen.
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Friedrich von Amerling
Selbstbildnis, 1880/1881
Öl auf Leinwand
Höhe 66,2 cm, Breite 52,5 cm
Inv.-Nr. GE2442
Weitere Exponate des Künstlers
Porträt des Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1770-1844), 1843
Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1834-1909) im Alter von zwei Jahren, 1836
Porträt der Prinzessin Karoline von Liechtenstein (1836-1885) im Alter von eineinhalb Jahren, 1837
Porträt der Elise Kreuzberger, 1837
Porträt der Prinzessin Sophie von Liechtenstein (1837-1899) im Alter von etwa eineinhalb Jahren, 1838
Porträt des späteren Fürsten Johann II. von Liechtenstein als Kind auf einem Schimmelpony, 1845
Porträt des Malers Peter Fendi (1796-1842), 1833
Ölskizze zum Porträt des späteren Fürsten Johann II. von Liechtenstein (1840-1929) auf einem Schimmelpony, 1844/1845
In Träumen versunken, 1835
Studienkopf eines bärtigen Mannes
Mädchen mit Strohhut, 1835
Porträt des Victor Prinz Odescalchi (1833–1880) als fünfjähriges Kind in griechischem Kostüm, 1838
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