RUDOLF VON ALT
DER FISCHMARKT IN ROM
1865 unternahm Rudolf von Alt im September eine ausgedehnte Reise nach Italien, die ihn über Innsbruck, Trient, Florenz bis nach Rom führte. Wenngleich ihm die kalte Jahreszeit in Rom zu schaffen machte, entstanden bedeutende, überaus detailreiche, verhältnismässig grossformatige Aquarelle.

Der Fischmarkt in Rom befand sich seit dem Mittelalter an der antiken Portica d'Ottavia, in der Nähe des Ghettos. Der erhaltene Teil dieses monumentalen antiken Säulenportikus ist das grosse zentrale Atrium, das später als Vorhalle für die Kirche S. Angelo in Pescheria diente. Der Fischmarkt war Namen gebend für die Kirche.

Die antiken Ruinen dienen als architektonische Kulisse für die Händler mit ihrer verderblichen Ware in der tief stehenden Sonne eines Dezembertages. Als Marktstände dienen wackelige Holzbuden und antike Steinblöcke, Reste des Portikus. Das auch um diese Jahreszeit helle Licht des Südens taucht die Mauerruinen mit ihren Durchbrüchen und Ausblicken und den unterschiedlichen Gesteinsformationen in ein warmes Braun. Er lenkt durch zeichnerische Details das Auge des Betrachters auf Einzelheiten: Die schillernden Schuppen und Häute der Fische hebt er gekonnt durch aufgesetzte Lichter hervor. Er sieht die antiken Ruinen nicht als Archäologe und wertet und selektiert die Detailformen, sondern veranschaulicht ihren Alterungsprozess, ihre allmähliche Veränderung und das Hineinwachsen in das städtische Ambiente. Der Portikus bildet dabei das architektonische Hauptmotiv und ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen beleuchteten und verschatteten Partien. Durchblicke geben einen graublauen Winterhimmel frei.

In einem später entstandenen Ölgemälde gehen diese modellierenden Lichteffekte verloren. Alt übernimmt zwar die Gliederung und alle Details des Aquarells, die kräftige Sonneneinstrahlung nimmt dem Ölbild jedoch seine spätjahreszeitliche, düstere Erscheinung.
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Rudolf von Alt
Der Fischmarkt in Rom, 1865
Aquarell auf Papier
Höhe 59 cm, Breite 56 cm
Inv.-Nr. GR2239
Provenienz: 2004 erworben im Wiener Kunsthandel durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein 2005
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