FRIEDRICH VON AMERLING
PORTRÄT DES VICTOR PRINZ ODESCALCHI (1833–1880) ALS FÜNFJÄHRIGES KIND IN GRIECHISCHEM KOSTÜM
Friedrich von Amerlings Kinderporträts zählen zu den faszinierendsten und bezauberndsten Werken des Wiener Biedermeier in den Fürstlichen Sammlungen: von der schlafenden Prinzessin Marie Franziska (1836) über die Bildnisse der Prinzessinnen Karoline (1837) und Sophie (1838) bis hin zur vorbereitenden Skizze (1844/45) sowie zum repräsentativen Gemälde des späteren Fürsten Johann II. von Liechtenstein auf einem Schimmelpony (1845). Nun konnte dieser Bestand durch ein weiteres Bildnis eines Knaben erweitert werden.
Friedrich von Amerling hat in diesem Gemälde Victor Prinz Odescalchi als Kind in orientalischem Kostüm festgehalten. Der kleine Prinz, das liebreizende, pausbäckige Gesicht nach links gewandt, trägt ein griechisches Kostüm mit goldbesticktem Leibchen und grüner Weste, einen roten Gürtel, aus dem der Griff eines Dolches hervorblitzt, sowie einen roten Fes mit blauer Quaste. Es ist dokumentiert, dass er als Fünfjähriger in dieser Kleidung an einem Kinderball des Fürsten Metternich teilnahm. Derartige Feste oder Bälle boten im 19. Jahrhundert den Wienerinnen und Wienern eine gute Gelegenheit, sich im orientalischen Kostüm zu zeigen, das meist aus kostbaren Materialien geschneidert war. Bildnisse dieser Art sind zwar in der österreichischen Malerei selten, im Œuvre von Friedrich von Amerling finden sich jedoch einige wenige aber umso bedeutendere Werke, die Orientalinnen oder orientalisch gekleidete Personen zeigen. Mit der Ölskizze Die Unterrichtsstunde von Ferdinand Georg Waldmüller, 1837 entstanden, besitzen die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein ein weiteres Zeugnis der Orientmode im 19. Jahrhundert.
Ein Aquarell aus späterer Zeit von Rudolf von Alt mit der Signatur „R. Alt 853“, das sich heute in der Albertina befindet, dokumentiert den ursprünglichen Aufstellungsort des neu angekauften Porträts von Amerling im Salon der Fürstin Henriette Odescalchi in Schloss Hirtenberg, wo ein Jahr später eine Schiesswollfabrik gegründet werden sollte. Spuren des ovalen, relativ knappen Bildausschnitts des hier festgehaltenen Rahmens sind noch heute auf der Maloberfläche wahrzunehmen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gemälde vom Künstler mit rechteckigen Umrissen konzipiert war, auch wenn er manche Partien am Bildrand in seiner typischen, offenen Malweise ausführte.
Das Gemälde, das sich bis 1968 im Besitz der Familie Odescalchi und zuletzt in Privatbesitz befand, wurde erst kürzlich durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein erworben.
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Friedrich von Amerling
Porträt des Victor Prinz Odescalchi (1833–1880) als fünfjähriges Kind in griechischem Kostüm, 1838
Öl auf Leinwand
Höhe 45,3 cm, Breite 37 cm
Inv.-Nr. GE2464
Provenienz: 1838 im Auftrag der Familie Odescalchi entstanden, bis 1968 in deren Besitz, Privatbesitz, erworben 2009 durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein im Wiener Kunsthandel
Weitere Exponate des Künstlers
Porträt des Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1770-1844), 1843
Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1834-1909) im Alter von zwei Jahren, 1836
Porträt der Prinzessin Karoline von Liechtenstein (1836-1885) im Alter von eineinhalb Jahren, 1837
Porträt der Elise Kreuzberger, 1837
Porträt der Prinzessin Sophie von Liechtenstein (1837-1899) im Alter von etwa eineinhalb Jahren, 1838
Porträt des späteren Fürsten Johann II. von Liechtenstein als Kind auf einem Schimmelpony, 1845
Porträt des Malers Peter Fendi (1796-1842), 1833
Ölskizze zum Porträt des späteren Fürsten Johann II. von Liechtenstein (1840-1929) auf einem Schimmelpony, 1844/1845
In Träumen versunken, 1835
Studienkopf eines bärtigen Mannes
Selbstbildnis, 1880/1881
Mädchen mit Strohhut, 1835
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