GEORG RAPHAEL DONNER
APOLLO
Eine jüngst durch die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein erworbene Plastik kann ein ganz besonderes Licht auf die Entwicklung der Barockkunst in Österreich werfen: Georg Raphael Donners Apollo. Sie ist ein einzigartiges Dokument für die Sicht und die Auseinandersetzung dieses Barockbildhauers mit der Skulptur vergangener Epochen, im Besonderen mit der Bildhauerei der Antike.
Durch seine Arbeit im Atelier Giovanni Giulianis (1664–1744), der für Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein tätig gewesen war, war es Donner möglich gewesen, auch Einblick in den Bestand an Bronzebildwerken der Sammlungen der Fürsten von Liechtenstein zu erhalten und dort neben den Werken von Giambologna, Susini, Soldani und Tacca auch die beiden Plastiken François Duquesnoys (1597–1643), den Apollo und Cupido und seinen Merkur sehen zu können. Plastiken, die trotz ihrer im Vergleich zur antiken Skulptur barocken Dynamik noch weit ins 18. Jahrhundert hinein als antike Originale galten. Georg Raphael Donner scheint von diesen klassisch-antikischen Kunstwerken tief beeindruckt gewesen zu sein noch vor seiner Abreise nach Salzburg schlug sich diese künstlerische Auseinandersetzung in einer Bleiskulptur des Apollo (um 1725) nieder, die sich heute im Liebieghaus in Frankfurt befindet. Als Donner ab 1726 in den Diensten des Salzburger Fürsterzbischofs Franz Anton von Harrach an der Ausstattung des Schlosses Mirabell arbeitete, lernte er darüber hinaus auch den Jüngling vom Magdalensberg kennen (1986 durch Metallanalysen als Kopie der Renaissance nach dem 1502 gefundenen und heute verschollenen römischen Original entschlüsselt), der damals ebenfalls für eine antike Skulptur gehalten wurde.
Bei Donner hatte die antike Skulptur – zunächst durch die Kenntnis des Jünglings vom Magdalensberg sowie anschliessend durch den Betenden Knaben des Prinzen Eugen in Wien – zweifelsohne grossen Eindruck hinterlassen, der seinen Stil immer mehr bestimmen und in weiterer Folge zu einem von den "Antiken" des Duquesnoy entscheidend beeinflussten Barockklassizismus lenken sollte. Die grosszügige, glatt behandelte Oberfläche des Apollo der Fürstlichen Sammlungen bei gleichzeitig intensiver Ausarbeitung der Details rückt das Stück nahe an die Vorstellungswelt antiker Vorbilder heran und bringt damit Donners Intentionen deutlich zum Ausdruck. Donner wurde mit seiner Annäherung an das antike Vorbild zum Protagonisten des "Kaiserstils" wienerischer Prägung, der ihn klar vom Illusionismus seiner Zeitgenossen absetzte.
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Georg Raphael Donner
Apollo, 1727
Bleilegierung, Plinthe: Kupfer, gefasst
Höhe 65 cm, Breite 31,5 cm, Tiefe 26 cm
Inv.-Nr. SK1515
Provenienz: vor 1938 Sammlung Oscar Bondy am 1. Juli 1938 von der Zentralstelle für Denkmalschutz “sichergestellt” nach dem Krieg an die Witwe Bondy’s , Elisabeth, restituiert Sammlung Ruth Blumka, New York Sammlung Anthony Blumka, New York mit der Sammlung Blumka auktioniert bei Sotheby’s New York am 9./10. Jänner 1996 (Lot 100) danach süddeutscher und schweizer Privatbesitz 2009 erworben durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein
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