FRIEDRICH WILHELM VON SCHADOW
PORTRÄT DES FELIX SCHADOW (1819-1861), DES STIEFBRUDERS DES KÜNSTLERS
Felix Schadow stammte aus der zweiten Ehe des berühmten klassizistischen Bildhauers Johann Gottfried Schadow (1764-1850) mit Henriette Rosenstiel.

Das um 1830 von seinem Stiefbruder Friedrich Wilhelm von Schadow geschaffene Porträt zeigt den jungen Felix im Alter von ca. 10 Jahren. Der ernst blickende Knabe schaut frontal aus dem Bild, ohne jedoch mit dem Betrachter Blickkontakt aufzunehmen. Die grossen dunklen Augen scheinen ein unbestimmtes fernes Ziel zu fixieren. Der vom Sonnenuntergang gefärbte Himmel unterstreicht diese nachdenkliche Grundstimmung.
Das kindliche Gesicht wird von feinem, hellbrünettem Haar umrahmt, das von goldenen Lichtreflexen aufgehellt ist. Mildes Licht modelliert das Gesicht mit dem wohl geformten Mund. Die Farbpalette wird von der fröhlichen Leichtigkeit des Biedermeier getragen: Klar leuchtet das Gelb der Weste, der hohe offene Kragen und die gebauschten Ärmel des Hemdes unterstreichen diese unberührte Frische. Die unterschiedlichen Nuancen im Weiss der Hemdsärmel lassen deren Stofflichkeit fühlbar werden. Das unter den Arm geklemmte rote Buch mit dem eingelegten weissen Lesezeichen spiegelt das kindliche Selbstbewusstsein des Knaben wider.
Friedrich Wilhelm Schadow beherrschte das Porträt mehr als jede andere Gattung der Malerei. Dem Erbe seines Vaters Johann Gottfried Schadow, dem grossen Porträtbildhauer Berlins an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert verpflichtet, kombinierte er exzellent die ästhetisierenden Züge des ausklingenden Klassizismus mit der Einfachheit des aufströmenden Biedermeier.

Im vorliegenden Porträt Friedrich Wilhelm von Schadows kommt seine Fertigkeit der meisterlichen Charakterisierung sowie der Wiedergabe unterschiedlicher Oberflächentexturen deutlich zur Geltung - vor allem im pudrig-elfenbeinfarbenen Inkarnat von Gesicht und Händen. Seine genaue Beobachtungsgabe setzt er auch in der Schilderung liebenswürdiger Details wie den kleinen Fältchen und zarten Nähten an der Bluse oder im schmeichelnden Glanz von Haar und Lippen gekonnt um.

Das Porträt zeigt auch die deutliche Nähe zur französischen Malerei, die in Berlin einen wesentlich höheren Stellenwert einnahm, als etwa in Wien. Die programmatische Klarheit dieses Bildes machte es 1988 zum Fahnenträger der Ausstellung Kunst des Biedermeier 1815-1848 im Haus der Kunst in München, wo es sowohl den Katalogumschlag als auch das Plakat zierte.
Zum Seitenanfang  
Friedrich Wilhelm von Schadow
Porträt des Felix Schadow (1819-1861), des Stiefbruders des Künstlers, 1830
Öl auf Leinwand
Höhe 61 cm, Breite 51 cm
Inv.-Nr. GE2405
Provenienz: Nachkommen des Künstlers; europäische Privatsammlung; 2006 durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein erworben
Verwandte Themen
Kunstwerk des Monats / Jänner – Dezember 2006
Neuerwerbungen der Fürstlichen Sammlungen
Neuerwerbungen
Neuerwerbungen >>