FERDINAND GEORG WALDMÜLLER
MÜTTERLICHE ERMAHNUNG
Die Wertschätzung der Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller liess bereits zu Lebzeiten des Künstler nicht nach, was dazu führte, dass er immer wieder Kopien seiner Werke anfertigte, beziehungsweise auf ältere Themen zurückgriff, die er neu zu gestalten suchte.

Auch das Gemälde "Mütterliche Ermahnung (Das überraschte Liebespaar)" stellt die dritte Fassung zu diesem Thema dar. 1837 liess Waldmüller die Szene in einer Gebirgslandschaft spielen. 1846 wurde die Darstellung in eine dunkle Scheune verlegt, aus der der Bursch ins Freie entkommt. In der vorliegenden letzten, 1850 entstandenen Fassung wird die Begebenheit schliesslich weniger dramatisch geschildert. Auch wenn die demonstrative Geste der Mutter nicht an Wirkungskraft verloren hat, wurde sie in ihrer Heftigkeit dennoch gemildert und hat sich in eine eher gutmeinende mütterliche Ermahnung gewandelt. Das Mädchen, das schuldbewusst zu Boden blickt, ist wohl gerade aus dem Stall gekommen, während der Bursch zur Feldarbeit aufbrechen wollte. Eng an der Seite seiner Erwählten verweilend, scheint er sie vor der Ermahnung schützen zu wollen. Der gesamten Darstellung haftet etwas Versöhnliches an: Der treuherzig aufblickende Hund und die im Freien, auf der sonnigen Wiese spielenden Kinder.

Der Genremalerei verpflichtet, stellen auch die bäuerlichen Geräte in der Scheune ein Stück Wirklichkeit dar. Vor allem am extrem verkürzten Pflug kommt Waldmüllers Können im Bereich perspektivischer Darstellung zum Ausdruck. Das Hauptanliegen des Künstlers bleibt aber die Wirkung von Licht und Schatten: Das Liebespaar, das, wie auf einer Bühne stehend, von der Sonne beleuchtet wird; die Mutter, die aus dem Schatten ins Licht und somit in Erscheinung tritt. Auch die kräftigen Farben – Rot, Blau, Weiss und Gelb, eingebettet in Braun – beleben das Geschehen. Nicht mehr der drohend erhobene Zeigefinger der Mutter ist das eigentliche Thema in dieser letzten Fassung Waldmüllers Mütterlicher Ermahnung, sondern die Heiterkeit eines sonnigen Tages, die Jugend und die Kraft des Lebens.
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Ferdinand Georg Waldmüller
Mütterliche Ermahnung, 1850
Öl auf parkettierter Holztafel
Höhe 62 cm, Breite 77 cm
signiert und datiert rechts unten: Waldmüller 1850
Inv.-Nr. GE2153
Provenienz: bis 1868 Sammlung Adolf J. Bösch, Wien; vor 1868 im Besitz von P. Kaeser; vor 1898 Heinrich Ritter von Rogge; 1898 versteigert im Auktionshaus C.J. Wawra, Wien; bis 2004 in Wiener Privatbesitz; 2004 erworben durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein
Weitere Exponate des Künstlers
Rosen, 1843
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Porträt des Architekten Charles de Moreau (1758-1841), 1822
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Kalkofen in der Hinterbühl, um 1845
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Porträt des Gastwirtes Thiery von der Wirtschaft "Zum Wolfen in der Au", 1833
Wiedererstehen zu neuem Leben, 1852
Die Unterrichtsstunde, 1837
Ruine des griechischen Theaters zu Taormina gegen die Meerenge von Messina, 1844
Rote und weisse Trauben mit Tafelsilber, 1841
Die Heimkehr des Landmannes, 1833
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