ANTONIO CANOVA
SITZSTATUE DER PRINZESSIN LEOPOLDINE VON ESTERHÁZY, VERH. LIECHTENSTEIN (1788–1846)
Während seines zweiten Wiener Aufenthaltes im Sommer des Jahres 1805 erhielt Antonio Canova den Auftrag für die Sitzstatue der Prinzessin Leopoldine von Esterházy. Aus erhaltenen Briefen sind wir über die Entstehungsgeschichte der Skulptur genau informiert:

1806 wird der Prinzessin eine Maske abgenommen, wenig später erhält Canova über Moritz von Liechtenstein die Mitteilung, dass die Wachsbüste seiner Braut fertig sei, die Konturen jedoch noch stärker gezogen werden müssten, damit sie für eine Ausführung in Marmor geeignet sei. Über Triest gelangt dann die Kiste nach Rom. 1807 erfahren wir von der Begeisterung, die Canovas erste Skizze beim Auftraggeber Nicolaus II. Esterházy ausgelöst hatte, wir hören aber auch von dessen Groll, weil seinem Empfinden nach die Arbeit zu geringe Fortschritte machen würde. Als ihm klar wird, dass es nicht eine Venus sein wird, die den Kopf der Prinzessin tragen soll und für die er den Tempel im Park des Eisenstädter Schlosses eigentlich konzipiert hatte, ist er erstaunt, zu profan erscheint ihm die zeichnende Muse, die Canova konzipierte, für den heiligen Ort, der ihm vorschwebte. Um sich eine genauere Vorstellung der Konzeption Canovas machen zu können, bittet Esterházy über Lamberg den römischen Meister um eine Umrisszeichnung und lässt auch um den Preis des Künstlers für so ein Werk nachfragen, weil bisher offensichtlich noch nicht darüber geredet worden war. Am 19. Mai 1815 schreibt Canova aus Paris nach Wien, dass die Arbeit vollendet sei und setzt für den Auftraggeber aufgrund des fleckigen Marmors einen relativ günstigen Verkaufspreis fest. Mitte 1818 trifft die Skulptur wohlbehalten in Wien ein; als Entschädigung für die Flecken fordert Esterházy ein zusätzliches Werk von Canova. 1820 erfolgt die Fertigstellung eines Sockels für diese Statue, 1822 wird sie von Wien - sie war nächst dem Glashaus des Palais in Mariahilf gelagert worden - nach Eisenstadt transportiert und findet schliesslich im Leopoldinentempel des Eisenstädter Schlossparks ihren endgültigen Aufstellungsort.
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Antonio Canova
Sitzstatue der Prinzessin Leopoldine von Esterházy, verh. Liechtenstein (1788–1846), 1805/1815
Marmor
Höhe 146 cm, Breite 110 cm
Esterhazy Privatstiftung
Provenienz: erworben als Auftragswerk durch Fürst Nicolaus II. von Esterházy, dem Vater Leopoldines, auf Veranlassung des Bräutigams Leopoldines, Prinz Moritz von Liechtenstein, für den Leopoldinentempel im Schlosspark von Eisenstadt
Weitere Exponate des Künstlers
Büste der Venus Italica oder Porträt der Prinzessin Leopoldine von Esterhazy, geb. Liechtenstein (1788-1846), um 1805/1815
Büste des Kaisers Napoleon I. von Frankreich, 1800/1810
Büste des Napoleon Franz, König von Rom (1811-1832), 1812
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