MAERTEN VAN HEEMSKERCK
LANDSCHAFT MIT DEM HL. HIERONYMUS
Maerten van Heemskerck hielt Rom im Umbruch der Dreissigerjahre des 16. Jahrhunderts in ganzen Serien von Skizzen fest, die er später in Capriccios zu grossformatigen Ölbildern zusammenkomponierte.

In seiner Landschaft mit dem hl. Hieronymus rollt er ein breit angelegtes Panorama einer Ruinenlandschaft mit antiken Spolien auf, das bildgebende Sujet interessiert ihn erst in zweiter Linie: Der Heilige kauert belanglos am linken Bildrand und ist gleichsam nur der Vorwand, anstelle der gewohnten Ikonographie des büssenden Heiligen in der Wüste eine gewaltige Grottenlandschaft zu inszenieren: urbane Wüste, städtisches Niemandsland, wie wir es aus Bildern nach Kriegen und Elementarkatastrophen kennen. In einer zweiten Ebene mag vielleicht mitschwingen, dass jener Hieronymus nach seiner Busse in der Wüste als Sekretär von Papst Damasus I. (um 305-384) in die Ruinen dieser Stadt eingezogen ist. Ziel der Darstellung ist es, wie schon in der Ruinenlandschaft Posthumus', den Traum von der einstigen Grösse Roms, vor deren Ruinen wir stehen, zu veranschaulichen. Das Bild ist reich bestückt an Zitaten, die uns über Heemskercks Antikenkenntnis, aber auch über das zeitgenössische Baugeschehen in Rom Auskunft geben. Wir können ein Aufeinandertreffen der Fragmente des Saturntempels, des ersten Tempels auf dem Forum Romanum mit einem figurenbesetzten Nischenpfeiler, einem Zitat nach Raffaels Schule von Athen, entstanden in den Jahren 1509 -1511 für den Päpstlichen Gerichtshof, beobachten. Unter dem Bogen ringen Herkules und Antäus getreu dem antiken Vorbild im Belvederehof der Vatikanischen Museen miteinander. Dort hat Heemskerck auch die grosse Figur des Flusses Tiber gesehen, die er kühn mit der Lupa Romana und den von ihr aufgezogenen Zwillingen Romulus und Remus verbindet. Man erkennt ein Stück des Kolosseums, die Stufenkuppel des Pantheons und die Trajanssäule.
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Maerten van Heemskerck
Landschaft mit dem hl. Hieronymus, 1547
Öl auf Eichenholz
Höhe 105 cm, Breite 161 cm
sign. unten links: Martinus Heemskerck fecit 1547
Inv.-Nr. GE2404
Provenienz: vor 1746–2006 Sammlung Schönborn, erworben durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein 2006
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