OSIAS BEERT
STILLEBEN MIT ÄPFELN, TRAUBEN UND EINER BLUMENVASE
Bei dieser Bildkomposition handelt es sich um ein typisches Früchtestillleben mit Blumen, das ab dem frühen 17. Jahrhundert von den bekanntesten Vertretern dieses Genres Ambrosius Bosschaert d. Ä. und Balthasar von der Alst in Holland zu einem ersten Höhepunkt gebracht wurde.
Ein Porzellanteller und drei Zinnschüsseln sind mit Äpfeln, Birnen, Pfirsichen, Pflaumen, Weintrauben und verschiedenen Nüssen gefüllt. Blumen, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, Tulpen, Rosen und Zyklamen, sind in einer Porzellanvase arrangiert und verstärken den Schaucharakter dieser Komposition. Durch die farbenfrohe Zusammenstellung von Früchten und Blumen wird einerseits die ästhetische Komponente des Bildes gesteigert, andererseits auch der marktwirtschaftliche Wert der Waren interpretiert. Auf dem Tisch sind welke Blätter, ein Zweig eines Marillenbaumes mit Früchten und allerlei Insekten zu sehen. Hier wird vor allem der mikrokosmische Aspekt der Naturschilderung zum Ausdruck gebracht. Erweist sich doch die Fülle der Früchte, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten reifen, als Spiegel des ganzheitlichen Naturverständnisses. Wurmlöcher und welke Blätter sind gleichzeitig auch ein Verweis auf die Vergänglichkeit irdischer Güter und die Unvollkommenheit des Menschen.

Graf Ferdinand Bonaventura Harrach (1637–1706) erwarb dieses Gemälde während seiner diplomatischen Tätigkeit in Spanien (1697/98) als ein Werk Frans Ikens. Letzterer war Schüler von Osias Beert in Antwerpen. Beert tendierte besonders zum Dekorativen, zur luxuriösen Buntfarbigkeit und zur genauen Wiedergabe stofflicher Werte. Dies kommt in den Reflexen der spiegelnden Ränder der Zinnschüsseln zum Ausdruck. Gekonnt setzte er Lichtreflexe ein, um Weintrauben und Pflaumen zum Glänzen zu bringen. Diese Charakteristika machen Beert zu einem typischen Vertreter der holländischen Stilllebenmalerei des frühen 17. Jahrhunderts. Typisch für diese Zeit sind auch die relativ grossen Masse des Bildes. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wandte man sich dem kleinformatigen Stillleben zu, in dem die Nahsichtigkeit der Objekte, und nicht die abgebildete Menge und Vielfalt einen Ausschnitt der Wirklichkeit suggerierte.
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Osias Beert
Stilleben mit Äpfeln, Trauben und einer Blumenvase, 1600/1620
Öl auf Holz
Höhe 67 cm, Breite 117 cm
Inv.-Nr. GE2152
Provenienz: Von Botschafter Graf Ferdinand Bonaventura Harrach in Madrid als Frans Ikens erworben; bis 1957 Sammlung Graf Harrach, Wien und Rohrau; bis 2004 Österreichischer Privatbestz; 2004 im Wiener Kunsthandel erworben durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein.
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