MELCHIOR BAUMGARTNER
KABINETTSCHRANK
Prunkmöbel erfreuten sich in Europa ab der Mitte des 16. Jahrhunderts grosser Beliebtheit. Als Kunstkammerschränke fanden sie Eingang in die Kunstkammern der Herrscher und Sammler in ganz Europa.

Die elegante Form dieses Möbels ist bezeichnend für die Augsburger Manufakturen, die im 17. Jahrhundert führend auf den Gebieten der Gold- und Silberschmiedekunst sowie der Verarbeitung von Elfenbein waren.

Der verhältnismässig schmucklosen schwarzen Aussenseite wird eine farbenprächtige, aus edelsten Materialen gestaltete Innenseite entgegengesetzt. Öffnet man das in seiner äusseren Erscheinung sehr streng und blockhaft wirkende Möbel, erscheint in seinem Inneren eine bunte Vielfalt opulenter Dekorationselemente und einer eleganten Farbenpracht, komponiert aus edlen Steinen und Elfenbein.

Die dreigeschossige Fassade der Innenseite wird von vier grünen Alabastersäulen mit vergoldeten Kompositkapitellen rhythmisch gegliedert. Mittig befindet sich eine Türe, die von zehn Laden umschlossen wird. Diese architektonische Gliederung setzt sich in den beiden Türflügeln fort. Die zentrale Mitteltafel zeigt einen Blumenstrauss in einer Amphore aus Lapislazuli. Kaiserglocken, Tulpen, Maiglöckchen, Ranunkel sowie zarte Sternblumen sind zu einem dekorativen Strauss gebunden. Die Türen der Laden sind alternierend mit Singvögeln sowie Rosenzweigen und Nelken verziert, auf den Türflügeln sitzen Papageien auf blühenden Zweigen. Darüber und darunter befinden sich querrechteckige Felder mit Tulpen, Rosen und Immergrün.

Diese farbenprächtigen Commessi werden von Elfenbeinrähmchen mit plastisch geschnitzten Kartuschen und Ornamenten eingefasst. Lapislazulitäfelchen in den Sockelkonsolen, den Sockeln der Säulen und den nischenartigen Säulenbekrönungen sowie Karneoleinlagen rhythmisieren die weissen Flächen.
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Melchior Baumgartner
Kabinettschrank, 1625/1650
Ebenholz und schwarz gefärbte Birne über Weichholzkorpus, Elfenbein, Jaspis, Lapislazuli, Achat, Onyx, Karneol, Elfenbein
Höhe 87 cm, Breite 108 cm, Tiefe 61 cm
Inv.-Nr. MO1739
Provenienz: 2006 im Londoner Kunsthandel erworben durch Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein
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