ANKAUFSPOLITIK UND NEUERWERBUNGEN

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Kern des Vermögens der Fürstlichen Familie durch die Verluste in Mähren und Böhmen verloren gegangen. Schmerzliche Verkäufe aus den Beständen der Kunstsammlungen sicherten in dieser Zeit die Existenz der Familie – und auch der Fürstlichen Sammlungen. Fürst Hans-Adam II. wurde 1970 von seinem Vater Fürst Franz Josef II. (1906–1989) mit der Reorganisation der Verwaltung des Vermögens des Fürstenhauses betraut. Es gelang ihm schliesslich in relativ kurzer Zeit, die Geschäfte der Familie so entscheidend zu restrukturieren, dass bald auch wieder bedeutende Ankäufe möglich geworden sind und das imposante Erbe von vordringlich barocken Palästen und einer riesigen Kunstsammlung einer Zukunft zugeführt werden konnte. Durch die aktive Ankaufspolitik des heute regierenden Fürsten konnten die Bestände seit 1977 durch über 700 hochkarätige Neuerwerbungen ergänzt werden.

Heute gilt es, den Sammlungsbestand, dessen letzte Objekte vom Ende des 19. Jahrhunderts datieren, abzurunden sowie neue Schwerpunkte und Akzente zu setzen und nicht zuletzt – im Zuge von notwendigen Veräusserungen in der Nachkriegszeit entstandene – Lücken zu schliessen. So wurden auch Kunstwerke wieder zurückgekauft, wie etwa Jan van Huysums (1682–1749) Blumenstrauss in einer Nische (erworben 2002) oder Bernardo Zaganellis (1460/1470 – um 1510) Porträt einer Dame in rotem Kleid (erworben 2003).

Viele der Verluste der Nachkriegszeit sind heute durch Neuerwerbungen der letzten Jahre kompensiert. Zahlreiche Kunstwerke, wie etwa der äusserst seltene, um 1715 ent-standene Tapisserienzyklus der Grossmogulserie aus der Berliner Manufaktur des Jean II. Barraband, konnten auf diese Weise wieder in die Sammlungen integriert werden. Darüber hinaus sollen Lücken in den Sammlungsgebieten geschlossen und die Qualität durch Neuerwerbungen noch zusätzlich gesteigert werden. So reicht die Liste der Ankäufe von Quentin Massys’ (1465/66–1530) Die Steuereintreiber bis zu Rubens’ Ölskizze zu Mars und Rhea Silvia, dem ersten Gemälde überhaupt, das Fürst Hans-Adam II. für die Sammlungen erwerben konnte; die nach diesem Bozzetto ausgeführte Version konnte schon der Namensvetter des heutigen Fürsten um 1700 in seine Sammlung integrieren. 

Die Skulpturensammlung wurde unter Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein durch bedeutende Erwerbungen von Werken von Andrea Mantegna (um 1431–1508), Jacopo Sansovino (1486–1570) und Alessandro Algardi (1598–1654) bis zu Jakob Gabriel Mollinarolo (1717–1780) und Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) ebenso wesentlich aufgewertet.

Auch in der breit aufgestellten Möbelsammlung definieren erlesene Meisterwerke wie die vor kurzem angekauften Roentgenmöbel sowie die Boullemöbel aus Pariser und Wiener Werkstätten heute die Qualität dieses Sammlungsgebietes. Spektakulär und von einem breiten internationalen Medienecho begleitet, war der Neuerwerb des so genannten Badminton Cabinet, eines Prunkschranks aus Pietra Dura, Ebenholz und vergoldeter Bronze, der am 9. Dezember 2004 bei einer Christie’s-Auktion in London um 27 Millionen Euro als wertvollstes Möbelstück der Welt für die Fürstlichen Sammlungen ersteigert wurde.

Bei einer Versteigerung des Auktionshauses Dorotheum am 15. Oktober 2008 ging das aus der Österreichischen Galerie Belvedere restituierte Mädchen mit Strohhut von Friedrich von Amerling um 1,5 Mio. Euro an die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein. Dieser Erwerb machte es möglich, ein Gemälde, das als Ikone der Wiener Malerei der Biedermeierzeit gilt, in Österreich zu behalten.

Vor allem die Bestände aus der Epoche des Biedermeier haben durch Zukäufe der letzten Jahre auf dem Gebiet der Malerei, aber auch auf jenem der Porzellankunst noch mehr Gewicht erhalten. Seit Frühjahr 2013 werden ausgewählte Werke des Biedermeier und Klassizismus in den atemberaubenden Period Rooms aus der Zeit des Neorokoko im STADTPALAIS Liechtenstein dauerhaft präsentiert.

Interview mit S.D. Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein
03.08.2011
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